In seinem Artikel aus dem IT-Director vom 27.02.2013 nimmt Siegfried Dannehl Bezug auf neue Trends 2013 im Bereich der Business Process Management Systeme (BPMS). „Die Anpassungsfähigkeit von Geschäftsprozessen ist für Unternehmen ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Mit neuen Werkzeugen und Methoden tragen die Anbieter von Business-Process-Management-Lösungen (BPM) der rasant gestiegenen Relevanz dieser Disziplin Rechnung“, so Dannehl [1].

In einer von der Software AG durchgeführten Studie Ende 2012 sehen die befragten Kunden die Themen Big Data, Cloud, Mobile, Social Collaboration und BPM (mit über 40%) als die wichtigsten Technologien an. Soweit keine umwerfenden Neuigkeiten. Allerdings wird die Verknüpfung der Technologien mittelfristig den entscheidenden Wettbewerbsvorteil liefen. Bezogen auf den BPM-Anteil sind dies die Themen Social BPM oder Big Data, BI und BPM und auch BPM as a Service. Weiterhin und hauptsächlich durch den Gesetzgeber getrieben: alle Themen rund um Governance.

Dannehl verweist auf die bereits bekannte Befürchtung des Kontrollverlustes der IT-Abteilung zugunsten der Fachabteilung. Diese würden ihre Geschäftsprozesse direkt umsetzen, weil dies der Markt und die Kunden so fordern (Stichwort „Der Markt wartet nicht.“). Auch wird ein großer Nachholbedarf bei deutschen Unternehmen gesehen, da diese zwar immer wieder ihre BPM-Absichten (mit über 80%) in Umfragen kundtun, jedoch bei der konkreten Umsetzung in Projekten und Softwarelösungen sieht es meist recht bescheiden aus.

Die Reaktion der Tool-Hersteller kam laut Dannehl prompt: die IBM holt mit intelligentem Operational Decision Management (ODM) im BPM zum gewohnt großen Schlag aus; Webmethods und Aris von der Software AG kann nun Big Data und Cloud; einen wirklich interessanten Ansatz zum Thema Collaboration von IT und Business liefert der Metasonic Touch, mit dem der Prozess zum Anfassen modelliert werden kann. Dieses habe ich in vereinfachter Form als t.BPM (tangible business process modeling) schon 2011 am Hasso-Plattner-Institut HPI gesehen. Allerdings nicht in so einer Perfektion:

https://www.youtube.com/watch?v=XEHN1HlpQX4

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Was zu diskutieren ist … Agilität und Zweckmässigkeit, BI und BAM, Unternehmenskultur

Zu all den genannten Ansätzen: Auch wir erleben in unseren Projekten alltäglich welchen gewichtigen Anteil die Prozessorientierung im Fachbereich hat und wie wenig von den tatsächlich gelebten Prozessen in den IT-Systemen zu finden ist. Bzw. auch, wie lange eine Anpassung aufgrund der meist komplexen IT-Landschaft dauert. Daher ist die These, dass der Fachbereich seine Prozesse selbstständig umsetzt, nicht von der Hand zu weisen. Die entscheidende Frage ist daher: Wie kann das vorhandene Bewusstsein im (Top-) Management (siehe Umfragen aller Art), die Nöte des Fachbereichs und die Zwänge der IT in Einklang gebracht werden? Am sinnvollsten mit einer flexiblen und agilen BPM-Lösung?! Dabei müssen jedoch immer die konkreten Rahmenbedingungen des Kunden berücksichtigt werden. Nicht für jedes Unternehmen ist eine full-size BPMS-Lösung zielführend, manchmal genügt auch eine Fokussierung auf das Problem durch simple Prozessanalyse und -dokumentation und anschließender Anpassung des bestehenden IT-Systems.

Eine Konvergenz der einzelnen BPM-Teildisziplinen ist notwendig. Eine Toolunterstützung hierfür wünschenswert. Dabei ist die IBM BPM Lösung – insbesondere mit BlueworksLive – schon heute auf einem guten Weg. Einen besonderes Augenmerk sollte auf die BI (und damit verbunden Big Data) gelegt werden, insbesondere eine zielgerichtetes BAM (Business Activity Monitoring) mit aussagekräftigen KPIs ist mit recht einfachen Mitteln realisierbar und kann nach Bedarf erweitert werden. Dabei können in einem zweiten Schritt auch die im Unternehmen oder beim Kunden installierten Maschinen oder „smarten“ Produkte einbezogen werden – Stichwort IoT (Internet of Things). Damit würden diese in den Prozess einbezogen, ihre Aktivitäten wären transparent, der Kundendienst einfacher, neue Anwendungsmöglichkeiten und Services denkbar und die Ausfallzeiten minimierbar. All dies durch simples Messen …

Eine etwas generellere Diskussion ist die Agilität von Prozessen und die notwendige Änderungsgeschwindigkeit von IT-Systemen. Diese stellt sich je nach Kundengröße und Branche unterschiedlich. Sicherlich soll eine Prozessänderung im Flugzeugbau nicht mit der gleichen Geschwindigkeit in Produktion gebracht werden, wie ein neuer Prozess im Marketing. Weiterhin ist die individuelle Unternehmenskultur zu betrachten: ist im Unternehmen eine agile Vorgehensweise – mit der damit verbundenen Unsicherheit – wie etwa SCRUM üblich, wie ist der administrative Freigabeprozess für neue Software, gibt es festgelegte Releasezyklen, sind mehrere Staging Umgebungen vorhanden, die durchlaufen werden müssen und sind diese zum Zeitpunkt x frei oder welche Abnahmetest mit welchen Ressourcen/Testteams sollen durchgeführt werden? Diese Faktoren limitieren und können nicht immer der IT-Abteilung angelastet werden.

Zu guter Letzt stellt auch der Gesetzgeber, insbesondere im Finanzsektor, durch ständige Änderungen der Regulierung im Rahmen der Governance (Basel III, SEPA, etc.) neue Anforderung an die IT-Systeme von Banken und Versicherungen. Die Frage darf gestellt werden, ob eine Prozessausführung auf dem Host noch gerechtfertigt und zukünftig möglich ist. Ganz abgesehen von der Kosten- und Ressourcenfrage.

Wie ist Ihr Feedback hierzu? Möchten Sie einen Einblick in unsere BPM-Projekte? Eine E-Mail an info@logicline.de oder ein Anruf unter Tel. 07031 61177-0 genügen!

[1] Quelle: IT-Director, Siegfried Dannehl, Neue BPM-Werkzeuge und – Methoden; Offen für Veränderung