Der diesjährige BPM Veranstaltungs-Herbst begann mit der von camunda organisierten BPMCon 2013 Ende September im Berliner Umspannwerk Kreuzberg. Neben zahlreichen Vorträgen aus der Praxis nach dem Motto von Kunden für Kunden – wobei insbesondere zalando sehr plastisch den Einsatz von BPM darstellen konnte – gab es auch zwei erwähnenswerte eher theoretisch angehauchte Vorträge.

BPMCon in Berlin

Dr. Anne Rozinat, Mitgründerin der Process-Mining-Firma Fluxicon, erläuterte wie sich Prozesse in der Ist-Analyse nicht modellieren, sondern auf Basis von bestehenden Transaktionsdaten automatisch generieren lassen. Dabei sind nur die einfachsten Daten, wie eine Transkations-Id, Zeitstempel und die eigentliche Aktion/Task notwendig. Dadurch können die Datenflüsse der realen IT-Systeme und damit der reale Prozess dargestellt werden. Es ist zwar kein Prozessdiagramm in BPMN, aber ein erster Ansatzpunkt, um gestärkt mit Fakten in die Diskussion mit dem Fachbereich gehen zu können. Auch liefert das Diagramm erste Indizien wo sich Flaschenhälse, nicht korrekte Pfade und unnötige Schleifen befinden können. Diese noch junge, aber meines Erachtens vielversprechende Disziplin innerhalb von BPM hat das Potential die Process-Discovery Phase deutlich zu vereinfachen.

fluxicon_discoQuelle: Fluxicon - Tool Disco

Ein Kritikpunkt an der Methodik ist die Verfügbarkeit der Daten in ausreichender Qualität. Dies wurde unter den Teilnehmern in der Kaffeepause heftig diskutiert. Wenn auch heute sehr viele Daten gespeichert werden (Stichwort Big Data), dann ist es insbesondere über Systemgrenzen hinweg häufig schwierig, eine einheitliche Struktur und eine eindeutige ID zu definieren. Hierfür müsste vorab eine Bereinigung oder Konsolidierung der Datenstrukturen stattfinden.

BPM Best-of-Breed

In der Keynote von Jakob Freund und Bernd Rücker ging es darum, BPM noch präsenter in der Wirtschaft zu machen und durch zu starten. Hierfür sehen die beiden einen Trend weg von den kompletten BPM-Suiten hin zu „Best-of-Breed“ und Open Source (inklusive BPaaS). Diesen Trend, wenn auch nur in Teilbereichen wie z.B. Monitoring sehen wir auch, da ein Einsatz von großen und komplexen BPM-Suiten für den Mittelstand häufig nicht rentabel erscheint.

Übrigens: Ebenfalls einen Blick Wert ist die neu geschaffene BPM Community!

Zum Abschluss des informativen Tages gab es noch eine Runde „Fishbowl“ zum Thema „Wie kann BPM erfolgreich gestartet und entwickelt werden?„. Hier diskutierten die Teilnehmer, Referent und Gastgeber im kleinem Rahmen vor dem Auditorium. Anschließend gab es die gewohnte Grillparty …

IBM BPM-Symposium in Wiesbaden

Im Wiesbadener Kurhaus fand ebenfalls eine interessante BPM Veranstaltung statt, das IBM BPM Symposium 2013. Hier waren am ersten Tag sogenannte Hands-on Workshops, die den Teilnehmern einen Eindruck von der Modellierung von Prozessen in BPMN geben sollen. Die anschließend immer stattfindende Abendveranstaltung in der Kupferberg Sektkellerei brannte im wahrsten Sinne des Wortes „ein Feuerwerk“ ab.

Am nächsten Morgen ging es zunächst um die IBM und wie sie ihre eigenen Tools einschätzt, weiterentwickelt, intern einsetzt und wie sie am Markt angenommen werden.

In einem bemerkenswerten Vortrag „Mine Your Own Business“ erläuterte Prof. Dr .ir. Wil van der Aalst wie sich vorhandene Prozesse mittels Daten analysieren lassen. Auch er bezog sich wie Dr. Rozinat auf die Initiative processmining.org und kommerzielle Spin-offs wie Fluxicon. Weiterhin gab er einen Ausblick wohin die Reise in der Methodik gehen soll und welche Herausforderungen er sieht:

  • Big Data, da immer größere Datenmengen analysiert werden müssen, eventuell in Echtzeit
  • Was tun mit nicht persistierten Datenströmen von Sensoren und RFID Chips (Stichwort IoT)
  • Das Ziel ist eine Art „TomTom“ für BPM, das in Echtzeit Ratschläge zur Prozesssteuerung gibt, aber so flexibel ist, auch auf Änderungen und Nicht-Beachten zu reagieren und den wahrscheinlichen Prozessausgang vorauszusagen. Dies ist freilich noch Zukunftsmusik.

Mobile BPM und Monitoring

Ein eher technisch ausgelegter Vortrag betraf „Mobile BPM„, die Nutzung von Prozessen auf mobilen Geräten.Hierbei muss beachtet werden, dass mobile Geräte über bestimmte Eigenschaften verfügen, die normale / stationäre Prozesse in der Regel nicht haben, zum Beispiel GPS, Barcode Scanner oder Foto. Diese müssen in den Prozess eingebunden werden.

Als Anwendungsbeispiel sei ein Außendienstmitarbeiter genannt, der einen Schaden aufnimmt, die exakte Position markiert und ein Foto für den Innendienst anhängt. Dieser kann nun anhand der übermittelten Positionen eine optimale Route für die Servicemitarbeiter berechnen. Dieser wiederum könnte den Barcode des Gerätes einscannen und so vom Backendsystem des Unternehmens die Reparaturanleitung oder die Ersatzteilnummer erhalten. Nach erfolgreicher Reparatur kann der Kunde wiederum auf dem Tablett quittieren. Für diese Einsatzszenarien gibt es verschiedene technische Umsetzungsmöglichkeiten (z.B eine vollwertige App vs. Portal Rendering), die je nach konkretem Bedarf eingesetzt werden können. Zusätzlich kommen bei Enterprise Anwendungen auf mobilen Geräten häufig besondere Sicherheitsanforderungen ins Spiel, die berücksichtigt werden müssen.

Neben den oben genannten Vorträgen gab es noch eine Vielzahl an weiteren interessanten und spannenden Themen zu hören. Allgemein war bei beiden Veranstaltungen das Thema Monitoring in aller Munde, zwar meist als Randthema, aber immer präsent. Hier empfehle ich gerne einen Blick auf unseren Monitoring BPaaS Ansatz.