Einen gemischten Eindruck hinterließ der Process Solutions Day 2014 der gfo (Gesellschaft für Organisation) am 13. und 14. Mai in Köln, der laut Veranstalter größten Tagung für BPM-Softwarelösungen im deutschsprachigen Raum. Am ersten der auf zwei Tage angelegten Veranstaltung standen BPM-Tools diverser Hersteller (Signavio, MID, Scheer oder Prologics um nur einige zu nennen) im Vordergrund. Diese als Workshops „getarnten“ Produktvorstellungen boten einen interessanten ersten Eindruck, was momentan auf dem Markt für Prozessdokumentation und -analyse en vogue ist. Der Tag endete mit der Verleihung des diesjährigen Process Solutions Award.

Am zweiten Tag standen die Anwender im Vordergrund und es waren zahlreiche Praxisberichte in zwei Tracks zu hören. Interessant war hier der durchgängige Fokus auf die Prozessanalyse, -dokumentation und -steuerung. Wobei unter Prozesssteuerung nicht die Kontrolle der Ausführung eines Prozesses im Sinne eines automatisierten Monitorings gemeint war, sondern eher die Transparenz und eine Möglichkeit zum Vergleichen der Soll- und Ist-Werte. Besonders deutlich wurde dies auch im Vortrag von Frank Hohmann (Frankfurter Sparkasse), hier werden die Kennzahlen wie Durchlaufzeiten teilweise manuell erhoben, bzw. von verschiedensten Stellen beigesteuert. Dies könnte mit einem einheitlichen Monitoring-Modell, definierten Schnittstellen und einem dezidierten Event-Handling deutlich vereinfacht werden (siehe auch hier >> BPM Monitoring as a Service). Dann wäre auch eine Vergleichbarkeit im Sinne eines Benchmarking möglich, wobei die sensiblen Daten auch Sparkassen-intern gehostet werden könnten.

In den meisten Vorträgen wurden die Vorteile der reinen Prozessanalyse und -dokumentation hervorgehoben, dabei teilweise ohne den Nutzen einer Standardisierung mittels BPMN zu betrachten. Auch waren die eingesetzten Tools teilweise proprietär. Dies war für uns befremdlich, da wir gewohnt sind stets weiter voraus in Richtung Ausführung, Übertragbarkeit, Automatisierung und Integration von Geschäftsprozessen in bestehende IT-Landschaften zu denken. Hier sind die wirklichen Potenziale von BPM zu finden, sei es in der Kosteneinsparung, der Transparenz oder der Erfüllung von rechtlichen Regularien. Einzig Bernd Hagemann von der comdirect bank AG ging auf diese Punkte in seinem sehr unterhaltsamen Vortrag „Marktführer trotz Prozessmanagement? näher ein. Hier wurde anschaulich dargestellt, welche Gründe es für die Einführung von BPM gab:

  1. Rechtliche / regulatorische Anforderungen >> harte Anforderung
  2. Dokumentation, Anleitungen für neue Mitarbeiter (Arbeitsanweisungen) und Transparenz
  3. Prozessoptimierung >> Automatisierung, Monitoring und ständige Verbesserung (mind. alle 18 Monate durch den Prozessowner)

schematische_Darstellung_ Prozesslebenszyklus_comdirect

Quelle: comdirect bank AG - schematische Darstellung eines „Prozesslebenszyklus“

Zusammenfassend war die Veranstaltung trotz der teilweise hochkarätigen Aussteller und berichtenden Unternehmen eine kleine Enttäuschung. In unserem Verständnis von Prozessen spielt die Integration und die Standardisierung bzw. Offenheit mittels BPMN eine viel größere Rolle, wir betrachten die reine Prozessdokumentation (als „Wandtapete„) als ersten Schritt auf einem Weg Richtung Prozess-/Kundenorientierung des gesamten Unternehmens.

Auch waren Themen wie IoT (Internet der Dinge) oder Cloud bestenfalls als Randthemen vertreten. Dies mag zum Einen an der Ausrichtung der Veranstaltung gelegen haben, zum anderen stellt sich die Frage, ob diese Themen bereits in der Unternehmenswirklichkeit angekommen sind?! Wir denken ja! Allerdings ist hier noch viel Erklärungs- und Aufklärungsarbeit zu leisten. Hier müssen sicherlich Vorteile und Nutzen noch besser dargestellt werden (siehe auch hier >> BPM für das Internet der Dinge), die konsequente Umsetzung kann durchaus zu einer spürbaren Veränderung des Unternehmens führen. Es können – eine gewisse Offenheit und Vertrauen der Partner und Systeme vorausgesetzt – durch die Vernetzung von eigentlich „simplen Dingen“ völlig neue Produkte, Geschäftsmodelle oder Ökosysteme entstehen.

Sich immer wieder selbstkritisch zu hinterfragen sollte eine Selbstverständlichkeit sein, v.a. in dieser sich schnell wandelnden IT-Zeit mit ihren vielen Begrifflichkeiten und wechselnden Hypes. Daher sollten wir uns Fragen wie diese stellen: Sind unsere Ansätze zu technologisch, zu modern, zu weit weg vom Kunden? Ich denke nein!

Müssen wir uns mehr auf den Kunden, seine Probleme und Gegebenheit vor Ort fokussieren, ihm die Lösungen, die Nutzen-Kosten-Relation und die Möglichkeiten unabhängig vom konkreten Tool besser erklären? Ich denke ja!! Daher sollten wir weg kommen von einer rein technologischen Betrachtung der Features eines Tools, hin zur Problemlösung des Kunden …

Seit letzter Woche stehen nun auch die Vorträge und eine kleine Nachlese zum Download zur Verfügung. Bei weitergehenden Fragen oder Anregungen zum Thema Prozesse können Sie sich gerne jederzeit an uns wenden. Eine E-Mail an info@logicline.de genügt!