Auf der diesjährigen BPMCon 2014 ging es um den praktischen Einsatz von BPM in allen Lebenslagen, unter dem Motto „BPM everywhere“. Hierzu gab es zahlreiche interessante Erfahrungsberichte von Kunden.

Ein besonderes Augenmerk richtete Bernd Rücker auf das Thema Case Management (mit und ohne adaptiv) und die CMMN (Case Management Model and Notation), die in der Version 1.0 im Mai 2014 von der OMG verabschiedet wurde. Auch diskutierte er, was bereits heute mit den „Bordmitteln“ von BPMN möglich ist – nämlich eine ganze Menge. Prinzipiell unterschied er 2 Szenarien, die es immer zu Bedenken gibt:

  1. Hier arbeiten Knowledge Worker >> es ist wirklich ein Thema für Case Management
  2. Es mangelt an Disziplin >> hier muss der Prozess strukturiert und die Beteiligten besser koordiniert und eingebunden werden

Im ersten Fall kann dann ein Case (Prozesse, Task, Dokumente, Daten, …) entweder mittels CMMN modelliert werden. Inwieweit dieser Case dann ausführbar im Sinne einer Engine ist, wurde leider nicht ganz klar, bzw. ist wohl in einem Alpha Status. Alternativ kann man mit den vorhandenen BPMN-Mitteln versuchen den Case als Teilprozess auszulagern bzw. ein „Underwriting“ zu betreiben. Eine Herausforderung bleibt dann die Gestaltung der Taskliste und des BPM Cockpits, hier müssen alle relevanten Daten und möglichen Aktionen ersichtlich sein. Zusätzlich muss definiert sein welche Task optional/verpflichtend sind und ob es eine bestimmte Reihenfolge gibt.

Dies alles ist aber laut Bernd Rücker noch nicht adaptiv, obwohl das einige Hersteller gerne behaupten. Die nachfolgende Tabelle zeigt die unterschiedliche Sichten und Grade von Adaptivität:

Grad der Adaptivität Systeme & Sprachen Beispiele
Adaptiv Ontologien, Semantische Modelle Veränderungen on-the-fly, selbstlernend und selbstanpassend
Anleitend „Social BPM“ Navigation, Amazon Vorschläge
Dynamisch BPMN, CMMN, Adhoc-Tasks Definierte Anzahl Aktivitäten, Flexibilität in der Auswahl
Statisch BPMN, Workflow Engines Statischer Fluss der Aktivitäten
Quelle: camunda auf der BPMCon 2014

Bei der Provinzial NordWest wird unter dem Motto „BPM, Aktivitätenmanagement und Cobol-Batch“ die – aus meiner Sicht – eigentliche Stärke von camunda BPM voll ausgeschöpft. Hier wird die BPM Engine von camunda in die vorhandene Anwendungslandschaft integriert, so können die bereits vorhandenen IT-Systeme und Technologien weiter benutzt werden und nur die wirklich (für den jeweiligen Kontext) nützlichen Teile des camunda BPM Frameworks werden verwendet. Im konkreten Fall ist für die Oberflächenentwicklung ein eigenes Framework im Einsatz, für die Modellierung Signavio, für das Monitoring ein internes Data Warehouse, bei den Business Rules wird ein Produkt aus dem Hause Bosch SI eingesetzt und sogar Siebel für die Worklist wird integriert. Diese Offenheit und lose Koppelung ist meines Erachtens ein immenser Vorteil bei Integrationsprojekten und zur Demonstration eines schnellen Quick-Win-Projektes.

Darauf ging auch Jakob Freund in seinem Eröffnungsvortrag etwas näher ein. Er nannte dieses Alleinstellungsmerkmal von camunda „BPM as embeddable Technology„. Dies sei auch einer der Gründe warum zahlreiche Kunden von ihrem bereits existierenden Tool auf camunda migrieren. Eine weitere, und unserer Erfahrung nach, wichtige Fähigkeit ist das „Polyglotte BPM„. Hierunter wird die Möglichkeit verstanden, unterschiedlichste Datenformate (XML, JSON, CSV oder
EDIFACT, …) und Sprachen (Java, Javascript, Groovy, JRuby, Jython, etc.) zu nutzen. Die unten stehen Grafik zeigt ein mögliches Zusammenspiel unterschiedlichster Hersteller-Tools exemplarisch:

 Quelle: Vortrag - Camunda BPM bei der Provinzial NordWest, BPMCon 2014
 Quelle: Vortrag - Camunda BPM bei der Provinzial NordWest, BPMCon 2014

Eine Randnotiz sei mir erlaubt: Der sogenannte „Crowd-O-Mat“ von der holisticon erweckt Aufsehen (siehe Bild links). Hier wird an einem einfachen Beispiel (Betreuung und Alarmierung eines Kunden an einem Messestand) gezeigt, das auch im Internet der Dinge (IoT) Geschäftsprozesse relevant sind. Hier können wir nur zustimmen, da auch bei logicline die Verknüpfung der (smarten) Dinge mit wertschöpfenden Prozessen ein wichtiges Thema ist, siehe hierzu auch >> m2m-iot-auf-der-salesforce-platform-connect-your-products/

Quelle: Stand holisticon auf der BPMCon2014

Auch aus dem camunda Labor gab es einige interessante Neuigkeiten zu hören, die hoffentlich bald in einem Release zu sehen sind. Im Detail waren dies eine überarbeitete Taskliste (bereits in der Version 7.2 enthalten) und das Projekt bpmn.io (einen Online BPMN Modeller). In näherer Zukunft sollen dann auch das Cockpit mit einer Art Plug-In-Store versehen werden, damit es möglich ist, wie aus eclipse bekannte einfach Anwendungen und Sichten dazuzufügen. Ebenfalls ein interessanter Ansatz war die Workbench, die es ermöglichen soll „on-the-fly“ Prozesse mit Variablen zu debuggen und zu ändern.

Weitere interessante Vorträge, auch wenn diese etwas versicherungslastig waren, betrachtet unter anderem „DevOps meets BPM“, „The ZEro-Code BPM Myth“ und „Automation und Cloud-Orchestration“. Diese können bald unter http://www.bpmcon.de/bpmcon2014.html als Video Aufzeichnung angesehen werden. Auch auf twitter mit dem Hashtag #bpmcon ging es heiß her.

Wir freuen uns schon auf das nächste Jahr und hoffen bis dahin weitere spannende BPM-Projekte zu haben.

Bei weitergehenden Fragen oder Wünschen zum Thema BPM und Case Management können Sie sich gerne jederzeit an uns wenden. Eine E-Mail an info@logicline.de genügt!